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Naked Woman Behind Tree --- Image by © Roy Morsch/Corbis

Naked Woman Behind Tree — Image by © Roy Morsch/Corbis

Autor: Andrea Walter

Du gehst gerne in den Wald, liebst die Natur und hast eine besondere Vorliebe für Bäume?Alles im Normbereich. Doch hast du schon einmal ein kribbeliges Verliebtheitsgefühl für eine schöne Tanne oder einen Eiche empfunden?So absurd es klingt, es gibt Menschen die sich nicht nur außerordentlich zu Bäumen hingezogen fühlen, sondern sogar sexuell angeturnt von ihnen werden.

Hundert Bäumchen hab ich schon
missbraucht, gar defloriert.
Wie oft hab ich die Erektion
mit ihrem Harz beschmiert

Von Lust gepackt steh‘ ich im Wald
den Körper ganz entkleidet,
dann such ich mir ein Bäumlein, bald,
auf dass es mich erleidet.

 

 

Dendrophilie (von griechisch τὸ δένδρον – tò déndron – der Baum, ἡ φιλίa – hē philía – Liebe, Zuneigung) nennt sich diese sexuelle Präferenzstörung, welche zu den sogenannten Paraphilien gehört.

Sex mit Buche oder Eiche? Gar nicht so abwegig für einen leidenschaftlichen Baumliebhaber, denn für Dendrophilisten sind Bäume genauso attraktiv wie für andere Männer oder Frauen. Sie fühlen sich sexuell von ihnen angezogen. Die Dendrophilie grenzt sich jedoch deutlich vom Fetischismus ab, denn ein Fetisch dient lediglich einer sexuellen Stimulierung. Der Gegenstand, der dazu dient, wird nicht geliebt. Bei Dendrophilie ist das anders: Dendrophile Menschen lieben ihre Bäumchen wie einen menschlichen Partner.

Schon der bloße Anblick erregt sie. Die gerillte, raue Struktur der Rinde sorgt bei ihnen für ein lustvolles Prickeln Untenherum, und Äste und Löcher am Baum dienen der Penetration und der Stimulierung der Geschlechtsorgane.

„Der Tag an dem ich Sex mit einem Baum hatte.“ heißt ein Kapitel  in der Autobiografie der Schauspielerin Jenny McCarthy. „Ich hielt mich an einem Baum fest, um Halt zu finden. Die Rinde fühlte sich so gut an, dass ich beschloss, meinen Kopf und meine Brüste daran zu reiben. Ich habe einen Baum bestiegen.“ schildert  sie ihren Baumexzess, der ihrer Erzählung nach kein „one-night-stand“ geblieben ist.

Eine Londonerin geht sogar noch einen Schritt weiter. Emma McCabes Zuwendung für ihren Baum Tim, wie sie ihn nennt, geht so weit, dass sie diesen ehelichen möchte, nachdem sie zwei Jahre lang ihre Finger nicht von seinem harten Stamm lassen konnte. Öffentlich leckt, reibt und verkehrt sie mit „Tim“, denn für sie ist diese Art der Liebe die normalste der Welt.

In einem Forum für spezielle Neigungen, bin ich bei meiner Suche nach dendrophilen Menschen, rasch fündig geworden. Ein älterer Herr, mit dem aufschlussreichen Usernamen „Tree-Love-Never-Dies“ ließ sich nicht lange bitten und begann mir in einer Email vorzuschwärmen: “Ich liebe es, wenn ich meinen erregten Penis am Harz einer Baumrinde reiben kann. Der Geruch, das Gefühl – es ist ein Wahnsinn. Sex mit einer Frau ist nichts dagegen. Probier es aus! Ich kann nicht verstehen, dass jemand  beim Anblick und Geruch von Bäumen nicht erregt wird!“ Ich war erstaunt.

Doch Dendrophile stehen mit ihrer Objektsexualität nicht allein da. Immer öfter melden sich Menschen zu Wort, die für andere Menschen zwar tiefe Zuneigung empfinden können, wirkliche Liebe, Sex und Erotik aber nur mit Gegenständen erleben. Für den einen ist es die Freiheitsstatue, in die sich ein Mann verliebt hat und mit deren Modell-Nachbildungen er Leben und Bett teilt, und für andere sind es Schaufensterpuppen. Auch Luftballons oder Plüschtiere können für den einen oder anderen Paraphilisten ein Lustobjekt darstellen.

Paraphilien entwickeln und manifestieren sich meist schon durch eine starke Prägung in der Pubertät. Die Ursachen für Paraphilien sind bis heute nicht zur Gänze geklärt, denn eine universelle Theorie zur Entstehung von Paraphilien existiert aufgrund der Vielfältigkeit dieser Neigung nicht. Angenommen wird jedoch, dass der Einfluss von  psychischen und sozialen Faktoren eine wesentliche Rolle bei der Entstehung spielt.

Auch die Gehirnforschung ist um Abklärung bemüht. MRT-Studien machen jedenfalls schon einmal deutlich, dass die besondere sexuelle Vorliebe für Objekte nicht nur simuliert wird. Entspricht das Bild eines Objektes nämlich der angegebenen sexuellen Präferenz des Betrachters, feuern vermehrt Neurone im Belohnungssystem  – ganz gleich welche sexuelle Neigung der Betrachter hat.

Sex unter einem Baum zu haben, empfinden wohl die meisten von euch als eine herrliche Angelegenheit. Sex mit einem Baum zu haben, sprengt bei vielen die Grenzen der Vorstellungskraft. Also stellt euch beim nächsten Waldspaziergang die Frage: Ist es noch Naturverbundenheit, oder bereits eine heimliche Liebe?

Naked Woman Behind Tree --- Image by © Roy Morsch/Corbis

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