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paarbeziehung

Autor: Andrea Walter

Wenn man frisch verliebt ist, möchte man dem Partner eher seine Schokoladenseite zeigen. Vor dem Aufstehen putzt man sich rasch die Zähne, die Haare sitzen schon beim Frühstück perfekt, es wird gecremt und beduftet. Ein unkontrolliertes Pupsen vorm anderen treibt uns die Schamesröte ins Gesicht. Nach einer längeren Beziehung nimmt die Intimität im Alltag zu und die Scham beginnt zu sinken. Doch die Schamgrenze wird bei Menschen an den unterschiedlichsten Stellen überschritten. In diesem Artikel bleibt die Schlafzimmertüre verschlossen, und wir wagen stattdessen einen Blick in fremde Toiletten und Badezimmer.

Zusammen baden, nebeneinander Zähne putzen gerne – zusammen sein Geschäft verrichten, nein danke. Auch andere intime Akte, wie popeln, Intimrasur, Pickel ausdrücken, sich am Po kratzen oder in den Zähnen herumbohren gelten als unsexy und werden von den meisten Menschen nicht im Beisein des Partners verrichtet. Doch wie viel Intimität ist normal und wie schmal ist der Grat zwischen Paarkacken und sich gehen lassen?

„Die holde Scham, die Schönheit ist mir heilig.“

Friedrich Schiller

Scham ist anerzogen und schützt uns vor sozialer Unverträglichkeit. „Normal“ ist hierbei keinesfalls so einfach definierbar, denn mit offenen Klotüren wird in anderen Ländern, wie zum Beispiel Spanien, selbstverständlicher umgegangen als hierzulande, wo wir gerne noch zusätzlich die Tür hinter uns absperren oder erst gar nicht mit unseren kleinen und großen Geschäften in Verbindung gebracht werden wollen. Natürlich ist Intimität – wie so vieles im sozialen Miteinander – nicht für alle Paare gleich. Manche sind glücklich, wenn die Schamgrenzen im Laufe der Jahre weit herabgesetzt werden. Diesen Paaren gibt es Sicherheit sich einander sehr gut zu kennen und es gibt keine Geheimnisse mehr voreinander. Fördert allerdings eine solche enge Intimsphäre auch die Qualität der Partnerschaft? Es gibt durchaus auch Verfechter der Theorie, dass bei einer zu großen Distanzlosigkeit die Attraktivität, das Prickeln und die Erotik flöten gehen. Ihrer Meinung nach bedeutet das Herabsetzen der Schamgrenze eine Nichtachtung des Partners.

Eine gesunde Partnerschaft findet ihre eigenen Spielregeln im Gleichgewicht zwischen dem Aufrechterhalten der Intimsphäre und wachsender Vertrautheit. Vielleicht sollte man eher öfter einmal versuchen, den Partner zu sehen wie in den ersten Wochen und überlegen, was man damals einander Gutes und Schönes getan hat. Natürlich ist es angenehm, wenn einem nach Jahren des Zusammenlebens vieles nicht mehr peinlich sein muss, andererseits sollten Bequemlichkeiten und Unachtsamkeiten nicht unter dem Deckmantel der ausgereiften Vertrautheit verkauft werden! Denn Lust auf Sexualität und Lust auf den Partner benötigen eine gewisse Abgrenzung zum eigenen Ich. Zum Reanimieren von Anziehungskraft, Sexappeal, Erotik und Leidenschaft ist hin und wieder eine kleine Überraschung nötig – ein ungelüftetes Geheimnis – unabhängig davon ob ihr die offene oder geschlossene Toilettentüren bevorzugt.

 

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