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(Autor: Andrea Walter)

Die Kampagne „Susannchen braucht keine Globuli“ sowie der Beitrag „Susannchen und Max – die zwei SkeptiKids“, haben für Turbulenzen in meiner Inbox gesorgt.

Die Kommentare reichten von „Dürfen Kinder denn an gar nichts glauben?“, „Man darf Kindern doch nicht ihre Fantasie nehmen“, „Du machst Kindern ihre Globuli madig – willst du ihnen auch den Glauben an den Osterhasen verbieten?“ bis zu „Ja, soll man denn sein Kind zum Skeptiker erziehen?!“

Erst vor wenigen Tagen habe ich einen Artikel darüber geschrieben, ob denn etwas fehlt, wenn man an gar nichts glaubt. Für mich, als erwachsene Person, kann ich das verneinen. Ich erfreue mich an der Schönheit des Rationalen und des Greifbaren. Bei Kindern sieht die Sache natürlich anders aus. Doch Glaube ist nicht gleich Glaube, und Fantasie und Rationalität schließen einander auf keinen Fall aus, wie ich im nachfolgenden Beitrag erörtern werde.

Kinder lieben die Vorstellung vom Osterhasen, von der Zahnfee oder vom Weihnachtsmann. Der Glaube an Fantasiegestalten macht Kindern nicht nur Spaß, sondern fördert auch deren kognitive Entwicklung. Diese Fantasiewelt beginnt ab etwa dem 3. Lebensjahr des Kindes zu wachsen. Wenn Eltern behaupten, der Weihnachtsmann hätte sich samt Geschenke und Weihnachtsbaum durch den engen Kamin gequetscht, nehmen Kinder das gerne an. Das ist kein Täuschungsversuch am Kind, wie es so in so manchen pädagogischen Kreisen behauptet wird. Das Vertrauensverhältnis wird erst ab dem Zeitpunkt gefährdet, sobald das Kind von sich aus skeptische Fragen stellt. „Wie kann es denn sein, dass so ein kleiner Osterhase mein Fahrrad bringen konnte?“ Es liegt im Ermessen der Eltern, abzuschätzen, ab welchem Zeitpunkt eine kleine Flunkerei die Vertrauensbasis gefährden kann. Kinder senden in der Regel ein deutliches Zeichen, ob sie noch glauben wollen. Aufmerksamen Eltern wird das nicht entgehen. Solange Kinder Spaß am der Vorstellung vom Osterhasen haben, kann diese weiter unterstützt werden.

Kinder schätzen ihre Eltern grundsätzlich als vertrauenswürdige Quelle ein. Doch kaum ein Kind wird den Eltern später böse sein, wenn es feststellt, dass hinter den Osternestern und Weihnachtsgeschenken in Wirklichkeit das liebvolle Werk der Eltern gestanden hat. Doch es ist natürlich eine Sache, den Kindern ihre Fantasiewelt zuzugestehen und eine völlig andere Sache, Kindern Aberglauben und Unwahrheiten aufzutischen. Die Fantasie erweitert die Realität. Sie ist etwas Schöpferisches: Malen, Geschichten schreiben, töpfern, Sandburgen bauen – richtig kanalisiert kann die Fantasie Großes und Einzigartiges hervorbringen. Der Glaube an das Christkind birgt einen Zauber, während Geschichten von der Drohenden Gefahr einer vorbeilaufenden, schwarzen Katze ein fauler Zauber ist. Unwahrheiten und Halbwissen sind im Gegensatz zur kindlichen Fantasiewelt nie dienlich, und der Irrglaube ist keine gute Startposition ins Erwachsenenleben!

Wenn Kinder Fragen stellen, dann sind wir ihnen eine Antwort schuldig, und das Kind zeigt zur gleichen Zeit auch die Bereitschaft für eine, dem Alter entsprechende, korrekte Antwort. Fragen meine Kinder mich, warum andere Kinder Globuli als „Schutz“ vor FSME bekommen, während sie eine Spritze bekommen müssen, oder ob die verrückte Nachbarin tatsächlich mit toten Wühlmäusen kommunizieren kann, dann erhalten sie von mir auch eine ordentliche, kindgerechte Antwort, und nicht eine rosa-gepunktete Version der Wahrheit. Kinder sind geborene Forscher, mit dem Drang den Dingen auf den Grund zu gehen. In vielerlei Hinsicht, kann sich mancher Erwachsene so einiges an logischem Denken abschauen.

„Warum sollte eine Medizin durch Verdünnen wirksamer werden?“ oder „Wie soll Wasser Informationen speichern, wenn es doch weder ein Gehirn noch eine Festplatte hat?“ fragen Kinder mit einer selbstverständlichen Logik. Der Glaube an den Osterhasen wird von dieser Logik nicht ausgebremst. Zumindest nicht aus Sicht der Kinder. Und wenn ein Erwachsener seinen Glauben an den Osterhasen mit seiner Vorliebe für die Homöopathie vergleicht, dann ist dies selbsterklärend!

In der kindlichen Welt ist die Esoterik nicht nur ein Drosseln des Wunsches Dinge zu wissen und das Leben zu verstehen, sie ist auch gefährlich. Aber wie sieht es mit religiösen Ideologien aus? Brauchen Kinder die Vorstellung vom lieben Gott um glücklich zu sein?

Ich, als Kind atheistischer Eltern, verneine das entschieden. Ich wurde einst ohne den Glauben erzogen, aber mit dem Wissen, dass meine Mutter mich liebt und sie verlässlich einmal pro Woche meine Lieblingsknödel kocht, und mit dem Wissen, dass mein Vater mich ebenso liebt und mir endlos meine Lieblingslieder auf der Gitarre vorspielt. Ich war ein glückliches Kind, frei von Buße, Sünde oder der Angst vor der Bestrafung einer mächtigen Gottheit, deren strengen Augen mich auf Schritt und Tritt verfolgen.

Jean Decetys Forschungsergebnisse, von der University of Chicago sprechen für sich. An über 1000 Kindern aus verschiedenen Kulturkreisen haben Forscher nachgewiesen, dass religiös erzogene Kinder weniger sozial sind als atheistisch erzogene Kinder. Dazu führten die Forscher Spielexperimente an etwa als 1200 Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren durch. Unter den Kindern waren etwa 40 Prozent Muslime, etwa 25 Prozent Christen und etwa 27 Prozent Atheisten. Juden, Hindus und Buddhisten machten die restlichen acht Prozent der Teilnehmer aus. Im ersten Teil des Experimentes sollten die Kinder eigenständig darüber entscheiden, wie viele Sticker sie mit ihren Religonsgenossen teilen wollten. Im zweiten Teil des Experimentes sollten sie eine kurze Filmszene beurteilen, in der ein Kind angerempelt worden ist.

„Die Kinder, deren Familien den beiden großen Weltreligionen angehörten, waren eindeutig weniger altruistisch als Kinder aus nicht-religiösen Haushalten“, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Current Biology.

Überrascht hat auch das Studienergebnis in der Bewertung des Verhaltens aus dem Videofilm. Religiös erzogene Kinder fanden den Aggressor wesentlich gemeiner oder böser als die Kinder aus atheistischen Familien, die nachsichtiger und toleranter mit ihm waren.

Doch welche Erklärung gibt es hierfür? Gilt doch die religiöse Erziehung als Leitfaden für Moral und Anstand. Nun kann man darüber streiten, ob etwa 1200 Kinder hier repräsentativ sind. Die Pädagogik hat jedoch erkannt, dass streng autoritative Erziehungsmaßnahmen, wie sie bei einer religiösen Erziehung oft gegeben sind, Resilienz und Empathie negativ beeinflussen. Wird das Verhalten des Kindes häufig mit Bestrafung und Buße tun sanktioniert, wird das Kind in eine statischen Zustand der Machlosigkeit gebracht. Die sittlichen Normen des strengen Herrschaftssystems werden in Folge über das ethische Bewusstsein gestellt, stets darauf bedacht zu gefallen, um einer Bestrafung zu entgehen. Moralisch handelt ein Mensch dann, wenn er aus freiem Willen und aus Einsicht das tut, was ihm richtig erscheint!

Es bleibt noch die Frage: „Ja, soll man denn sein Kind zum Skeptiker erziehen?!“ Nein, das muss man gar nicht. Vielmehr ist es so, dass Kindern ihr gesunder Skeptizismus abtrainiert wird. Mit den religiösen und esoterischen Ideologien der Eltern und des familiären Umfeldes, wird sozusagen ein „Zugangskanal“ gelegt, durch den dann jeder x-beliebiger Unsinn eingeflößt werden kann.

Kinder wollen wissen. Es liegt in ihrer Natur! Eltern und Pädagogen können Kindern die Erkenntnisse der Wissenschaft in angemessener Weise vermitteln. Die Evolution erklärt die Entstehung von Menschen und Tieren auf natürliche Weise und ist eine spannende Sache für Kinder, die neben geologischem und physikalischem Wissen schon im Kleinkindalter spielerisch vermittelt werden kann! Eine konfessionslose und entmystifizierte Lebensweise, frei von dem Glauben an höhere, mahnende Mächte, ermöglicht Kindern ein selbstbestimmtes und verantwortungsvolles Leben in dem sie zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranreifen können, die sich so schnell nichts vormachen lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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6 Kommentare zu “Kinder-Glaube-Skeptizismus

  1. Pingback: Chemie für Kids – Und warum Chemie gar nicht so böse ist, wie alle sagen | Science, Sex, Skurriles und Skeptizismus

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