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Beim Durchblättern des Programmheftes vom Hiphaus, der Diözese Sankt Pölten, kann es rational denkenden Menschen teilweise schon mal etwas mulmig werden, denn mit dem sogenannten Bildungsangebot mutet St. Hippolyt ein wenig wie das katholische Hogwarts an. Aber was soll den Kursteilnehmern schon passieren? Auf der Suche nach dem inneren Licht den Lichtschalter nicht finden? Ein flaues Gefühl im Magen nach zu intensivem Kreistanz? Ein paar Euro weniger in der Geldbörse für ein wenig Selbstfindung? – Kennt man. Diese Erfahrungen hat der spirituell angehauchte Seminarbesucher vielleicht schon an der Volkshochschule oder im WiFi gemacht. Richtig schlecht wird es einem aber, wenn die katholische Bühne einem Impfgegner und GNM-Anhänger wie Johann Loibner und der AEGIS (Impfgegnergemeinschaft) geboten wird. Verpackt werden die fragwürdigen Vorträge in „Werden wir durch Impfungen gesünder?“ oder in „Homöopathie und Kneipp als Hausapotheke“.

 

Johann Loibner ist österreichischer Allgemeinmediziner, Homöopath und bekennender Impfkritiker, gegen den von der Disziplinarkommission der Ärztekammer zwischen 2005 und 2009 mehrmals ein Berufsverbot verhängt worden ist.  Als Anhänger der antisemitischen Neuen Germanische Medizin (GNM) nach Ryke Geerd Hamer, sagte Loibner im Fall der damals sechsjährigen Olivia Pilhar, vor Gericht für Hamer aus, nachdem dieser den Eltern des an Krebs erkrankten Mädchens von einer Chemotherapie abgeraten hatte und das Kind stattdessen homöopathisch  behandeln wollte.

 

Seit 2015 hat Loibner seine Praxis geschlossen und ist seither als Referent, unter anderem für die AEGIS, unterwegs. In Erwachsenenbildungszentren propagiert er Thesen wie „Gebärmutterhalskrebs sei eine immunologische Reaktion auf häufig wechselnde Geschlechtspartner und würde in Wirklichkeit gar nicht durch Viren ausgelöst“, oder den Standpunkt „Mongoloide Kinder gibt es erst seit der Pockenimpfung“. Weiters gilt Loibner als Gegner von Organtransplantationen.

 

Ich habe mir angesehen, wer die Vorträge und Seminare im Bildungshaus Hippolyt St. Pölten besucht, war sogar selbst bei pädagogischen Vorträgen als Teilnehmer mit dabei, denn neben einem üppigen esoterischen Angebot gibt es durchaus auch wirklich Gutes und Sinnvolles. Unter anderem sind es die Caritas Tagesmütter Niederösterreich, die ihre verpflichtenden Fortbildungsseminare dort absolvieren. Daneben überwiegend junge Frauen und Eltern.

 

Wie passt Loibners Auftritt nun ins Leitbild vom katholischen Hiphaus mit dem christlichen Menschenbild?„Erwachsenenbildung ist für uns ein Dienst an den Menschen und somit auch ein Dienst in und an der Kirche wie der Gesellschaft. Dazu nimmt das Bildungshaus St. Hippolyt auf die jeweils spezifischen Situationen, Bedürfnisse und Herausforderungen spezieller Gruppen in der Bevölkerung Bedacht.“

 

Doch welchen Dienst an den Menschen möchte das St. Hippolyt Bildungshaus den St. Pöltnern mit den Vorträgen einer Impfgegnergemeinschaft in Zeiten steigender Masernfälle genau erweisen?

 

Inzwischen haben zahlreiche Personen bei der Stadt St. Pölten, im Bildungszentrum, beim zuständigen Bischof und bei Kardinal Schönborn ihre Beschwerde hinsichtlich dem Auftritt Loibners eingereicht. Bisher ohne Reaktion des Direktors vom Hiphaus. Man hält uns hin. Aber nein, wir werden den Termin nicht vergessen und wir werden nicht tatenlos dabei zusehen, wie jemand seine gefährliche Propaganda verbreitet.

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3 Kommentare zu “Bildungshaus St. Hippolyt – zwischen Spiritualität, christlichen Werten und Impfgegnern

  1. Ich verstehe die Vorbehalte gegen Loibner, und nein, Impfen macht nicht gesuender, verhindert in den meisten Faellen aber die Infektion mit schweren, teils lebensbedrohlichen, Krankheiten. Dennoch ist das Hiphaus eine Einrichtung die sich an Erwachsene wendet und daher mit Recht davon ausgeht das man ALLEN Angeboten mit der gebotenen, kritischen Haltung eines Erwachsenen gegenuebersteht. Diese Pflicht zum „Selbstdenken“ sollte eine Einrichtung der Erwachsenen Bildung bei jeder sich bietenden Gelegenheit betonen, das waere eine weit notwendigere Botschaft als Quacksalbern den Auftritt zu verweigern. Kritisches Bewusstsein zu foerdern ist viel entscheidender als punktuelles Einschreiten …..

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