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cocktail of love

Autor: Andrea Walter

Kaum etwas im Leben berührt und verändert uns so sehr wie die Liebe. Die Liebe verbindet uns mit den wichtigsten Menschen in unserem Leben, kann uns in den Himmel heben und uns tief stürzen lassen. Nichts macht uns nackter und verletzlicher als der Moment, in dem wir beginnen uns zu verlieben, wenn wir einem Menschen einen tiefen Blick in unser Innerstes gewähren, wenn unser Herz zur Achillesferse wird, und wir nicht wissen, ob Apollons seine todbringenden Pfeile auf uns richtet.

Aber nicht von der großen, etablierten Liebe, oder gar von der gescheiterten Liebe möchte ich heute schreiben, sondern von ihren zarten Anfängen, vom ersten Hauch des Verliebtseins, von den Schmetterlingen im Bauch, von kleinen Gefühlen die sich zum suchtartigen Begehren steigern. Die Liebe stellt vermeintlich die Naturgesetze auf den Kopf, sobald eine Person in unser Leben tritt, die unseren Verstand zum Stillstand bringt.

“The human brain is awesome. It functions 24 hours a day, from the day we are born and only stops when we are taking an exam or fall in love.”

Kaum jemand will, im Rausch dieser Gefühle darüber nachdenken, dass unsere Hormone dabei ihrer evolutionären Tätigkeit nachgehen, ihrem Hauptberuf, sozusagen: Der erfolgreichen Fortpflanzung. Ja, so ist es. Ob es euch Romantikern und Liebeslyrikern nun gefällt oder nicht. Nehmen wir gemeinsam die rosarote Brille ab und tauschen sie gegen die rationale Brille der Wissenschaft. Naja, nicht ganz. Gehen wir lieber gemeinsam auf einen Drink. Setzen wir uns an die Bar und gucken dem Barkeeper dabei zu, wie er bei gedämpftem Licht damit beginnt unseren Liebes-Cocktail zu mixen, während „Chris Isaak“ sein „Wicked Game“ wie eine süße Drohung aus den Boxen heult; ein letztes Aufbegehren gegen das Unentrinnbare.

Das Aufflackern von Verliebtheit verändert den Stoffwechsel im Körper und im Gehirn. Obwohl viel daran geforscht wird, ist noch nicht im Einzelnen klar, was sich genau verändert. Ein Hormon, das maßgeblich an dem Prozess beteiligt ist, und daher die wichtigste Zutat in unserem Cocktail ist, heißt Oxytocin. Es ist auch bekannt als Bindungshormon, und ist uns allen im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes und dem Vorgang des Stillens, ein Begriff. Aber auch für das Kribbeln beim Verliebtsein tut dieses Love-Hormon so seiniges. Es ist für Wärme, Zuneigung und eben auch für die Bindung zwischen zwei erwachsenen Menschen zuständig, und wird bei körperlicher Nähe und auch besonders stark beim Orgasmus ausgeschüttet.

Weitere Zutaten in unserem Liebes-Cocktails sind die Geschlechtshormone: Hochprozentiges Östrogen und Testosteron bringen Schärfe. Sie kurbeln unsere Lust und unsere Triebe an und bringen uns in Fahrt. Mischt der Barkeeper ein paar Botenstoffe, wie Dopamin, Endorphin und einen kleinen „shot“ Serotonin dazu, wird unsere Euphorie bestimmt perfekt. Adrenalin, das „Crushed Ice“ in unserem Liebestrunk, tut sich mit den Glückshormonen zusammen. Der Barkeeper schüttelt unseren Cocktail durch und sorgt für Herzklopfen, Erregung, erhöhten Puls und süße Bauchkrämpfe.

Duftstoffe, optische und akustische Reize sind die verlockenden Kirschen auf unserem Cocktail, der nun servierfertig ist. Ein Schluck, und unser Verstand schaltet sich auf „standby“. Wir überlegen nicht mehr, sondern handeln vermeintlich instinktiv und aus dem Bauch heraus. Wir handeln verrückt, manchmal waghalsig, unlogisch, verletzen vielleicht sogar andere damit. Wir sind blind vor Verliebtheit. Wir werden zu Zwangsneurotikern. Wir sind nun im Ausnahmezustand, sind berauscht und betrunken. Unser Körper gerät in Stress. Wir wollen jeden Tropfen aufsaugen, bekommen nicht genug davon! Aber was soll´s? Trinken wir heute mal einen über den Durst! Lasst uns heute doch mal so richtig maßlos sein, ganz im Sinne unserer Gesundheit, denn die Wissenschaft weiß, wie gut unserem Körper der Zustand des glücklichen Verliebtseins tut. Unser Immunsystem wird nämlich nicht nur durch den Austausch von Speichel, beim Küssen, gestärkt, sondern bei jeglicher Form von Berührung und Nähe die uns gut tut. Küssen, streicheln, liebkosen, begehren, lecken, saugen, kuscheln und lieben wir uns gesund, und sterben wir dabei gemeinsam den „La petite mort“, der uns spüren lässt wie sehr wir leben.

Der Zustand des Verliebtseins wird uns natürlich ein wenig wirr machen, vermutlich wird man uns ab jetzt für völlig verrückt halten, wenn wir geistesabwesend vor uns hin starren und dabei vielleicht auch noch stupide dauergrinsen. Aber trotz allem wird auch unser Umfeld von unserer Verliebtheit profitieren. Wenn wir verliebt sind, sinkt bei Männern die Testosteronkonzentration – sie werden weniger aggressiv. Rüpel werden also weich gekocht. Bei Frauen steigt der Testosteronspiegel, und somit die Lust auf Sex, was vielleicht die eine oder andere Zickerei am Arbeitsplatz erspart.

Oh, doch ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es spät geworden ist. Die Musik in unserer imaginären Bar wird runtergedreht und der Barkeeper beginnt damit, sein Equipment aufzuräumen. Chris Isaak hat ausgesungen. Alea iacta est – Die Würfel im „Wicked Game“ sind gefallen. Dem Verliebtsein stehen wir nun machtlos und betört gegenüber, sind wehrlos ausgeliefert, sobald wir liebestrunken sind.

Doch was bleibt, wenn wir am Morgen, nach dieser berauschenden Nacht erwachen, der Cocktail ausgetrunken ist, und wir uns nach den Monaten von Endlossex und Liebestaumel in der realen Welt wieder finden? Im besten Fall ist dann aus dem Keim der ersten Verliebtheit das Gefühl von Zusammengehörigkeit und wahrer Liebe entstanden. Vielleicht haben wir es sogar geschafft, uns den Funken, der anfangs dieses große Feuer in uns entfacht hat, zu bewahren. Vielleicht endet unsere Love Story aber auch ohne „Happy End“ und irgendwo, in irgendeiner Bar hält ein Barkeeper gerade die Zutaten für den nächsten Liebes-Cocktail für uns, und Mr. oder Mrs. Right, bereit.

…denn „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, hat Hesse einmal geschrieben. Also lassen wir uns überraschen, wohin uns ein Anfang womöglich führen kann.

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